Seit 14 Tagen erinnerte mich quasi alles an den Tag X. Das Werkzeug im Baumarkt, die Kreissäge im Hinterhof oder auch die Argumentation eines Freundes, der anwaltlich eine Zahnärztin vertritt, die ihrem Geld hinterher rennen muss. („Ich weiß nicht, was daran so schwer zu verstehen ist; die Zahnärztin meißelt dem Typen einen Zahn aus dem Kiefer und dafür bekommt sie Geld, fertig.“)

Tag X war gestern, gestern wurden meine Weisheitszähne (unten) entfernt. Manche nennen das Weisheitszähne ziehen, aber die waren sicherlich nicht bei Bewusstsein als es ihnen passierte oder sind von Beruf Zahnarzt. Wenn man bei Bewusstsein bleibt, und das sollte man, wenn man später darüber berichten will, bekommt man eine so genannte „Örtliche Betäubung”. Diese Spritze ist nicht zu vergleichen mit dem Piekser, den man von kleineren Zahnbehandlungen kennt. Die Kanüle ist dick und der Inhalt der Spritze viel. Der Arzt muss die richtigen Stellen im Mund betäuben. Das ist eine Herausforderung. Nicht nur für ihn, sondern auch für den Patienten. Um vor weg zu nehmen; ich hatte zu keiner Zeit Schmerzen. Auch das Spritzen war zu ertragen, auch wenn die Kanüle im Fleisch am Nerv entlang wanderte, um ihn auszuschalten. Nach Betäubung der betreffenden Stellen im Mund, hielten wir noch einen Smalltalk, der Arzt und ich. Und als der meine Fragen bzw. Antworten nicht mehr verstehen konnte („… unk fann gang iff fieder fport dreifen…?“) nahm er sich das größte, schönste Werkzeug vom Tablett. So oder ähnlich muss es gewesen sein, sehen konnte ich’s nicht, ich hatte ein Tuch über den Augen, wegen der OP-Scheinwerfer. Zuerst nahm ich ein Schaben und Kratzen wahr. Die Zähne wurden freigelegt. Scheinbar gibt es für solche Behandlungen verschiedene Größen an Trennschleifern, oder vielleicht war das eine ein Trennschleifer und das andere eine Kreissäge. Jedenfalls ist das eine lauter als das andere. Diese Geräte haben nur den Zweck den Zahn zu teilen, um ihn besser aus dem Kieferknochen brechen zu können. Ich bat anfangs darum, nicht so viel über den Verlauf der Behandlung erfahren zu müssen, aber das vergaß der Arzt manchmal (immer): „Jetzt hören sie gleich so ein Knacken,… so ein Reißen, dann zerbreche ich den Zahn. Ach so, ich soll ja nicht so viel kommentieren. Na ja wir Handwerker…“ Wie schon erwähnt; keine Schmerzen aber die Geräusche, das Knacken und Schleifen will mir nicht mehr aus dem Kopf.

Das Entfernen der Zähne ging relativ schnell, ich schätze 15 bis 20 Minuten, mit Spritzen, Smalltalk und Meißeln. (Gefühlte Zeit 45 Minuten.)

Später hatte ich das Gefühl, als würde sich das gesamte Betäubungsmittel in der Unterlippe sammeln. Was eigentlich nur hinderlich ist, wenn man das Blut loswerden will, das aus den Wunden sickert. Man kann nicht kontrolliert spucken. Man sieht aus wie ein Idiot. Ein Idiot der nicht richtig spucken, essen und sprechen kann.

Was für ein Spaß, als meine Freunde nacheinander anriefen, weil sie mal hören wollten wie das klingt.

Ihr Phweillne!

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