Gestern fuhr ich auf dem Heimweg mit meinem Rad an eine rote Ampel. Vor mir wartete bereits eine auffallend korpulente Radfahrerin mit winzigem Fahrradhelm auf dem krausen Kopfhaar. Sie trug ein hellgraues T-Shirt, das auf dem Rücken bedruckt war: Jugendfeuerwehr Südhessen, Megazeltlager 2000 – Ich bin dabei! Die Jahreszahl sah wegen des breiten Rückens der Dame aus wie 200000. Da die Gestalt insgesamt sehr drollig aussah und auch die Botschaft des T-Shirts so ein „Gschmäckle“ hatte, hätte ich gern ein Foto gemacht. Leider war ich ohne Kamera unterwegs. Da nahm ich mir vor, eine Fotoserie in Angriff zu nehmen. Die wird „Berlin von hinten“ heißen. Bekanntlich schert sich in Berlin niemand darum, wie er gekleidet ist, zumindest nicht die durchschnittliche Mehrheit. Da werde ich versuchen, demnächst ein paar ernstzunehmende Straftaten im Bereich der Bekleidungs- und Styling-Kriminalität aufdecken.
Heute morgen hatte ich meine Kamera dabei, als ich das Haus verließ. Eigentlich war ich in Gedanken, als ich wieder an einer Ampelkreuzung halten musste, so dass ich dem Mann mit Fahrrad vor mir zunächst keine Aufmerksamkeit schenkte. Dann sah ich, was ich noch nie gesehen hatte (ich war ja auch noch nie in China): auf dem Gepäckträger ein goldener Vogelkäfig, in dem ein lebender Vogel saß. Ich reagierte zu spät. Die Ampel schaltete auf Grün, ehe ich meine Kamera schussbereit hatte. Nun packte mich das Jagdfieber und ich nahm die Verfolgung auf. Während der Fahrt fummelte ich die Kamera aus meiner Umhängetasche und versuchte gleich vom Fahrrad aus ein Bild zu machen. Aber der Kerl mit seinem Vogel war einfach zu schnell. Lediglich dieser Schnappschuss aus 50 Metern Entfernung kam noch zustande:
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Mein erstes Bild aus der Reihe: „Berlin von hinten“.
PS: Auch dieses Jahr wird wieder ein Megazeltlager stattfinden. Die anscheinend Wahnsinnigen der Feuerwehr Schneppenhausen („Andere rennen raus, wir rennen rein!“) werden ebenfalls dabei sein. Diesmal wird ihr Motto nicht lauten „Wir pumpen den Main leer“ – wahrscheinlich, weil er schon beim Megazeltlager 2000 leer gepumpt wurde – nein, diesmal will Schneppenhausens Feuerwehr die „tausend Strahlrohre“ schaffen. Na dann: Holz- und Schwelbrand.
