nehmen wir den stets misslaunigen Familienvater von ganz oben, der mich schon mal darauf hinweist, ich solle die Haustüre schließen, sonst kämen die Ratten ins Haus. Oder seine Frau, die tausend Tode stirbt, wenn ich mit meinem Hund an ihr vorbeigehe, Hundephobie.

Oder der pubertäre Nachbarsjunge von nebenan; wenn seine Freunde ihn von zuhause abholen, und das tun die täglich, warten die schon mal ein bis zwei Stunden im Treppenhaus auf ihn. Rauchen, saufen, zündeln, zerkratzen Wände oder pickern mit Nadeln kleine Hakenkreuze in die Infozettel der Hausverwaltung. Manchmal klingelt auch das Jugendamt bei mir und fragt nach dem Jungen. Oder die Polizei bringt ihn nachhause – sicherlich, weil er sich verlaufen hatte, wieder einmal.

Im Erdgeschoss rechts ist seit Monaten alles ruhig. Dort wohnt eine ältere Dame, die von zwei lesbischen Nutten ausgenutzt wurde (meine eigene Theorie). Eine ca. 60jährige, die auf 25 machte und eine ca. 18jährige, die wie ihre ältere Freundin aussah. Die jüngere, also die die nur alt aussah, lag dann auch gern mal in unserem Treppenhaus, vollgedröhnt mit Drogen, die hier nicht wachsen. Wie gesagt (geschrieben) seit Monaten ist alles ruhig.

Obwohl „ruhig“ nur bedingt stimmt, über mir wohnt ein Riese, der gern Holzschuhe trägt, 120kg laufen jeden Abend unruhig hin und her wie ein Raubtier im Käfig. Und wenn der Riese seine 6jährige Tochter zu Besuch hat, klingt das so, als würde jemand mit der Abrissbirne die obere Etage sanieren.

Neulich Nacht sehe ich ein Wesen passend zur überlauten Musik, die sich vor ein paar Wochen in den Hinterhof ergoss. Die schönsten Schlager der letzten 20 Jahre, vorgetragen von einer talentlosen Zehnjährigen, Pädophilenmusik. Im sonst so angenehmen Hinterhof roch es noch Tage später nach diesem Vorfall. Der Schänderbalkon gehört zum Nachbareingang. Neulich Nacht also (ich kam vom Saufen aus der Stadt), sah ich diese Kreatur; klein, feist, weibisch, weiße dünne Beine, schmieriges – ungeschnittenes Haar. Es lief wie eine Spinne der zwei Beine auf einer Seite herausgerissen worden waren. Einerseits versuchte es schnell zu gehen, war aber offensichtlich, durch körperliches Gebrechen, nicht in der Lage dazu. Vielleicht wurde die Kreatur ja selbst von tausen imaginären Spinnen verfolgt. Es verschwand im gleißenden Licht der Tankstelle, die sich nur 100m von unserem Haus befindet.

Kommt mich doch mal besuchen, dann können die Kinder unten im Hof spielen und wir setzen uns auf den Balkon und schauen zu, wie die beiden 18jährigen Hühner von schräg gegenüber halb nackt neue Fotos für ihren MySpace-Account machen, und wenn wir Glück haben, regnet es auch.

Tags:

1 Kommentar zu „Meine Nachbarn;“

Kommentieren